27. Etappe am 09.07.

  1. Im Untergeschoss lässt es sich gut schlafen, auch mit ausgeschalteter Klimaanlage. Kurz nach 7 Uhr werde ich wach und bin ganz gespannt, ob der Lido offen ist. Es sind rd 2 km und mit „Turbo“ bin ich schnell dort.
    Und tatsächlich kann ich rein um in dem glasklaren Wasser zu schwimmen.

Die ersten Omas und Opas sind auch knietief im Wasser um zu „batschen“.
Zurück in der Via Mandorli Ecke Valeggio J.F Kennedy gibt es auf der Terrasse extrem italienisches Frühstück: Schokocornetto aus der Celophantüte, 4 Zwieback. 2X Marmelade und Nutella. Dazu Saft mit Zuckerwasser gestreckt und Caffè doppio con latte.

Zum Glück bin ich nach dem Frühstück zur Bank, denn hier ist nur Barzahlung möglich. Bei der Bank – auch nur 2 km – lese ich gerade den Zettel, als mir jemand zu verstehen gibt, dass der Geldautomat nicht funktioniert. Der Zugang zur Bank war mit Metalldedektor gesichert und Personen mit Schrittmacher sollten sich melden. Mich lässt aber niemand rein. Frauen mit großen Taschen werden trotzdem eingelassen, die sind vielleicht persönlich bekannt? !
In der Zeit hebt aber jemand am Automaten Geld ab und dann klappt das bei mir auch.
Heute ist es schon fast 9;40 bis ich auf dem Rad sitze. Ich hatte mir die Strecke nach Taranto im Navi angeschaut und fahre einfach der Nase nach um mich dann zwei mal zu verfahren.
Taranto zeigt sich zuerst von seiner schönsten Seite

und dann am Fischerhafen

und danach bis zur Raffinerie der eni

von einer ganz hässlichen Seite. Beim Verlassen der Stadt fallen mir zwei Frauen, eine fast 50 Jahre alt, auf, die auf Kundschaft warten. Ich hätte eigentlich mit mehr solcher Szenen gerechnet.
Hinter Taranto geht es auf oder neben der SS 106 in Richtung „Reggio C.“ Die Straße ist wohl ab Reggio kilometriert, es sind jetzt schon weniger als 500 km.
Anfangs ist eigentlich links und rechts der Straße nur „Pampa“ aber dann wird wieder intensiv Obstbau betrieben und es gibt einige Baumschulen. Ortschaften, wenn es denn welche gibt, sind nicht zu sehen. Alles nur einzelne Wohnplätze.
Erst am Zwischenziel, in Ginosa Marina, ist wieder „Zivilisation“ und was für welche:

Ich lande in einem bagno, das von einem früher in Köln lebenden Italiener betrieben wird. Wenn er deutsch spricht, hört man das Kölsch deutlich.
Er ist schnell über meine Reise informiert.
Ich bin für einen Salat mit Brot zum Kölsch und dann einen Caffè.

Der breite Sandstrand erinnert mich an Principina a mare, wo wir von 1988 bis 2003 mindestens 5 mal im Urlaub waren .


Zwischen 17 Uhr uns 18 Uhr sagte ich dem nächsten Quartier, wäre meine Ankunftszeit und so kann ich nur kurz die Füße ins ruhige Meer tauchen, dann geht’s weiter, vorbei an fast reifen Trauben.


Und wie es weiter geht: zunächst freudig, denn neben allem was ich schon sah wie z.B Tomaten, Zucchini, Paprika oder Auberginen, sehe ich die ersten Orangen

und etwas orange Blühendes.

Beim näheren Hinsehen sind Granatäpfel zu erkennen, allerdings noch alle unreif. Mit der Zeit lerne ich Orangen und Granatäpfel von weitem und ohne Früchte zu unterscheiden: der Boden in den Orangengärten ist eben, wie bei den Olivenhainen. Granatäpfel wachsen mit angehäufelter Erde und zwischen zwei Reihen ist wie beim Spargelanbau eine Kuhle.

Plötzlich habe ich Stallgeruch in der Nase, bisher ganz selten in Italien erlebt. Neben der Tierhaltung ist gleich eine Käserei angeschlossen.

Bis jetzt hatte ich nur richtig schöne Wege, ja fast Straßen. Diese verlaufen neben der SS 106 und dienen vornehmlich der

Erschließung der Landwirtschaft und der Hofstellen.
Ca 15 km vor dem Ziel kommt wieder Materialprüfstrecke

und das frisst die Stromreserve schneller als ich dachte. Dann muss ich wegen einer Furt/Unterführung mit hohem Wasserstand

einen Umweg fahren, was mir eine Verspätung von 30 min verursacht. Ich rufe noch beim Vermieter an und kündige an, dass es nochmal 20 min dauert. Und dann waren alle Akkus leer, die Powerbank, beide Smartphones und der Akku am E-Bike. Ich hatte die Via Ulisse abgehend von Lido Quarantotto gefunden, aber nicht die Villa Cenzina!

Ich  finde es einfach nicht! Ich brauche eben wenigstens für das Handy Strom. Bei einem Haus ganz in der Nähe gießt eine gut aussehende Frau im Garten. Sie reagiert auf mein Rufen nicht,  verschwindet hinter dem Haus. Beim dritten Versuch schickt sie einen Mann ans Tor, der das Aufladen ablehnt. Wohin?  Bei den anderen umliegenden Häusern ist niemand zu sehen.nebenbei trinke ich einen Liter Wasser, also 2 Schluck. Ein Schluck ist eine 500ml Flasche!
Im 5. Versuch komme ich auch durch. Weshalb  zwischendurch die Rückmeldung kam, dass die Nr im Netz nicht registriert sei, obwohl ich beim ersten Mal direkt Giuseppe am Telefon hatte, verstehe ich noch immer nicht.
Ich erkläre Giuseppe, dass ich am Lido bin und er fordert mich auf, die Quarantotto zurück zu fahren, mehr verstehe ich nicht. Er kommt mir dann mit dem Auto entgegen und bringt mich kurz nach 20 Uhr ans Ziel: einfach die Via Ulisse 1,5 km weiter fahren, das wäre es gewesen!
Aber wer findet dieses Quartier überhaupt mit so ungenauer Ortsangabe?
Giuseppe bietet mir an, dass Wasser und Saft aus seinem Kühlschrank nehmen kann. Das nehme ich dankbar an. Eine kleine Flasche hatte ich selbst auch noch. Dazu gibt’s Käse und Kekse. Diese Zusammenstellung erinnert mich an die erste Radtour mit Claudia, wo das Abendessen wg Gewitter ausfiel und wir den Abend von Salzstängel lebten.
Also hier bringen mich keine 10 Pferde mehr heute weg und es gibt ja genügend zu tun bis zum Frühstück zwischen 8 Uhr und 9 Uhr.
Mein nächstes Quartier ist ein Albergo Athena, in Sibari, das liegt dann bereits in Kalabrien.

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