4. Rückreisetag am 21.07.

Bis zum Bahnhof läuft alles nach Plan. Ich bin ausgeschlafen, bekomme alles gepackt, kann mir noch einen Cappuccino und dazu ein Cornetto Crema al Bar gönnen.
Um 7.00 bin ich am Bahnsteig. Es laufen am Bildschirm Streikankündigungen für SA/SO. Weil auf dem Bahnsteig der Zug nicht angezeigt ist, gehe ich nochmal zur Biglietteria. „Der Zug fährt“ – ich verlasse mich drauf und tatsächlich 4 min vor der geplanten Abfahrt um 7:25, taucht der Zug zur ersten Etappe nach Napoli auf.

Das Einsteigen mit Rad ist leichter als bei deutschen Fernzügen. Doch der Zug fährt mit 10 min Verspätung ab, bei 15 min Umsteigezeit eine Menge Holz. Aber bis Napoli holt er nachher 5 min auf.

Vesuv durchs Fenster gesehen

Der Capo treni – Schaffner, ist zufrieden mit dem Parkplatz für das bici

und erklärt mir, dass ich die Transportkosten für das Rad mir in einer Biglietteria zurück bezahlen lassen kann, denn samstags sei der Transport kostenlos.
Er schaut noch im Fahrplan, auf welches Gleis ich muss, sehr freundlich der junge Mann, auf die Vierzig zugehend.
Napoli ist ein Kopfbahnhof, da muss ich  das Rad nicht über Treppen tragen. Aber auf Gleis 9 steht kein Zug, dafür aber auf Gleis 11. Mit dem Rad komme ich schnell an die Spitze des Zuges, wo es noch nicht so voll ist. Die Klimaanlage läuft und der Zug fährt pünktlich los.
Es sind unglaublich viele junge Menschen unterwegs und der Zug ist gut gefüllt. Mein Verdaungsapparat ist noch immer „aufgeregt“ aber jetzt müsste alles dafür sprechen, dass die Reise nach Bologna funktioniert.
Alle die einsteigen, müssen um mein Rad herum, aber die sind alle sehr schlank – Ausnahmen bestätigen die Regel und da gehört die Zugchefin auch dazu.

Auch die Gruppe Afrikaner, die in Neapel mit eingestiegen sind, alles junge taffe Personen. Sie haben große bunte Taschen (aus Bast?) geflochten dabei- fahrende Händler? Die Frauen und die Männer saßen in 2 verschiedene Abteilen. In Formia-Gaeta wird es etwas leerer und deshalb angenehmer.


Hier in Mittelitalien, in Latium und Kampanien, ist es schon wieder grüner als zuletzt in Kalabrien. Aber das Grün bin ich ja von der Amalfitana her gewöhnt. Richtung Meer war es kurz eine Zeit lang bewölkt. Aber es hat draußen wieder um 10h schon 27 Grad. Zu meiner Schulzeit hätte das locker zu „hitzefrei“ gereicht.
LATINA, letzter Halt vor Rom, wo ich fast 2 1/2 Stunden Aufenthalt habe. Mal sehen, wie sich das gestalten lässt.
Erst orientiere ich mich auf welchem Bahnsteig der Treno Regionale (TR) abfährt. Dann geht’s raus zu einer Runde durch Rom: Colosseum, Forum Romanum Hadrianssäule, Fontana di Trevi und Capitol.

Rom hat unglaublich viele Touristen, daher zeigen Polizei und Militär recht überzeugend Präsenz.
Vor der Zugfahrt noch schnell einen Caffè doppio und dann geht’s auf Gleis 2. Am Zug sind nur einige Türen offen. Wo man mit Rädern hin soll ist nicht erkennbar. Ich laufe weit, damit ich leicht einen schönen Sitzplatz mit Blick auf das Fahrrad bekomme. Der erste Schaffner fand alles okay, dass ich 13:28 gefahren bin trägt er kommentarlos von Hand ein und den Stellplatz des Bici moniert er auch nicht.

Ungefähr eine Stunde nach Abfahrt des Zuges erscheint wieder ein Controlleur. Er fordert mich auf an der Übernächsten Station das Rad an den für Räder vorgesehenen Platz zu stellen.

Wenn er mich nach Foligno noch hier vorfinden würde, müsste ich den Zug verlassen. Der  war völlig uncool und hat sich aufgespielt, aber ich bin sicher, dass der ernst macht. Darauf lass ich es nicht ankommen und bin gespannt, wo ich nachher die zweite Hälfte der Zugfahrt sitzen werde.
Für den ganzen Zug gibt’s 1! einzigen „Stellplatz“ für Rollstuhlfahrer/Fahrräder. Da könnte ich mich glatt aufregen! Für den Fahrradtransport Geld verlangen und dann keine Gegenleistung bieten. Sollte jetzt jemand im Rollstuhl kommen, muss das Rad ja wieder weg! Aber Barrierefrei ist hier vieles nicht, Rollstuhlfahrer sind da furchtbar eingeschränkt und man sieht auch niemand in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Na ja, ich hab dem Capo den Wunsch erfüllt, aber wenn ich dem beim Aussteigen nochmal begegne, wird der auf Schwäbisch sich noch was anhören müssen, der Grasdackel, der italienische! Durch die Zugreise komme ich natürlich auch durch weitere Regionen. Salerno liegt in Kampanien, mit Napoli als Hauptstadt. Dann ging es nach Latium, Rom ist klar. Und inzwischen bin ich unübersehbar im grünen Herz Italiens, in Umbrien.

Eben hielten wir in Nocera. Und Ancona zählt wieder zur Region Marche. Von dort aus geht es ja wie auf der Hinreisen: Emilia Romana, Venetien, Alto Adige!
Durch engeTäler und untertunnelte Strecken ist es schwierig im Internet zu arbeiten, obwohl ich in den 4 Stunden so schön Zeit gehabt hätte.
Na dann kommen die Bilder eben ein anderes Mal in das Tagebuch. Jetzt sind wir gleich an der Adria und kurz vor Ancona, in Falconaro-Marittima hab ich eine Stunde Aufenthalt.

Ich bin reif für den nächsten Caffè.
Nach dem Caffè hab ich wenigstens die Überfahrt und den ersten halben Tag in Salerno abgeschlossen, das Internet war ganz fix.


Die Fahrradabteile sind offenbar immer im letzten Waggon. Im Moment sind 4 Räder an Bord.


Hoffentlich sind in Bologna die Bahnsteige länger als der Adria. Schade, dass in diesem Zug an den Abfallbehältern keine Steckdosen sind.

Das war echt geschickt. Aber ich hab keine Sorge, dass ich ohne Smartphone da stehe.
Jetzt geht’s wieder der Adria entlang, aber nordwärts Richtung Pesaro, Rimini und Ravenna. Das Abteil ist fast zu kühl, aber ich bin ja heute nicht nass geschwitzt nach den langen Zufahrten. Morgen auf dem Brenner ist es für mich ungewöhnlich kühl, nur 18 Grad Celsius sind angekündigt.
Inzwischen bin ich der Einzige, der sein Fahrrad im Zug hat. Vorher war einer mit einer tollen Rennmaschine von „bianchi“ im Zug, der von Rimimi mal geschwind bis kurz vor Ancona gefahren ist – das waren sicherlich eher mehr als 150 km!
In Pesaro sind nach dem Pfiff des Zugführers noch schnell drei Personen über die Gleise gerannt und kamen gerade so noch in den Zug. Diese Junkies, zwei Männer, eine Frau saßen dann bei mir im letzten Waggon. Die hatten bestimmt keine Fahrkarten und machten das nicht zum ersten Mal. Es tauchte aber niemand auf um zu kontrollieren – macht nur Arbeit und gibt Ärger dazu!
Die zwei Australier haben sich bei mir erkundigt, ob meine Reise klappt. Das finde ich schon bemerkenswert von dem jungen Paar.
Der Zug hat etwas Verspätung, vielleicht 8 min. Am 18.06 bin ich in Garda los und war am  Mittwoch, den 20.6. auf dem Hinweg in Bologna. Ganz lang schon wieder her. Klar, samstags bin ich in Tübingen gestartet und heute ist wieder Samstag: es beginnt die 8. Woche – unglaublich.
Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich doch nicht alle Tassen im Schrank habe? Es wird jetzt einfach Zeit, das Projekt abzuschließen und ich freue mich auf den Endspurt!
Das Hotel Excelsior liegt genau gegenüber dem Bahnhof.

Der Checkin war okay, bis auf die Tatsache, dass ich für das Abstellen des E-Bikes 10€ bezahlen darf.
Nach dem Duschen laufe ich ca.  300 m und bekomme in der gut besuchten Pizzeria/Ristorante sogar noch einen Sitzplatz draußen. Als ich sehe, wie groß die Pizze hier sind, verzichte ich auf den Salat, den ich eigentlich noch bestellen wollte.

Aber heute gibt’s Aqua frizzante und 1/2 l Weißwein, das gibt viele erfrischende Schorle.
Auf dem Heimweg gehe noch zum Bahnhof. Es sind trotz Streikbeginn bis 7 Uhr zig Nahverkehrszüge am Display angezeigt. Also hoffe ich mal, dass ich morgen hier auch den R 2258 zum Brenner angezeigt bekomme.
Es war ein langer Tag und ich bin hundemüde.

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