5. Rückreisetag am 22.07.

Die Italienische Eisenbahn Trenitalia macht den Sonntag spannend. Als ich kurz vor 8 Uhr erstmals am Bahnhof war ging die Anzeige der abfahrenden Züge bis 9:05. Also ging ich frühstücken, frischen O-Saft, Cappuccino und dazu 1 Cornetto und Crostante.
Dann endlich 9:13 wird angezeigt, dass der Zug am normalen Bahnsteig abfährt. Schnell ins Hotel, packen und umziehen, auschecken, Fahrrad beladen und um 9:45 bin ich am Bahnsteig.

Und da stehe ich jetzt schon 40 min mit vielen Personen, die Richtung Verona fahren möchten.

In Anbetracht der Desinformation von Trenitalia sind alle doch sehr gelassen. Man scheint hier einiges gewöhnt zu sein.
Am Display steht inzwischen „verspätet“!
Ich könnte ja die Tagebucheinträge der letzten beiden Tage bebildern, aber ich hab dafür nicht die Ruhe!
Und  kurz nach 10:30 „cancelato“ – canceled!

Und dann mal schauen, ob der 12:10 fällt, bis dahin gehe ich in den COOP einkaufen.
Da erwische ich Selbstbedienungskassen. Die hab ich schon oft erlebt, aber nie benutzt. Und bezahlen geht nur mit Karte. 4,92€
Ich habe nichts unterschrieben, kein PIN. Und zum Verlassen der Kasse muss man den Strichcode auf dem Einkaufsbon scannen!  Hoffentlich fällt das in Tübingen niemand ein auf so ein System umzustellen. Jede Menge Arbeitslose und dann auch noch solche Arbeitsplätze weg rationalisieren. Einer steht da, falls ein Kunde – wie auch ich – nicht weiter kommt.
An Bahnhof zurück ist der Zug 12:10 bereits abgesagt! Soll ich jetzt aufgeben und nochmal in Bologna bleiben oder hoffen, dass der 14:10 fährt? Bis ich mit dem Brenner bin ist es fast 19 Uhr!
Ich gehe aber erstmal auf Gleis 8 wo demnächst der E84 Richtung München fährt. Kurz nach 11:30 läuft der Zug hier ein. Er sieht ziemlich leer aus,  Hoffnung keimt wieder auf. Die italienische Zugführerin meint, der Zug ist voll, aber schickt mich zum Zugende zum österreichischen Kollegen. Der meinte erst auch, dass alles voll wäre, fragt nochmals die Kollegin vorne und als er wieder kommt, nimmt er der Italiener

nach Rovereto und mich zum Brenner mit! Das genze Team der ÖBB ist super freundlich – so geht man mit Fahrgästen um.

Ich hätte dem Herrn Bauer am liebsten einen Orden geschenkt „Held der ÖBB“ oder so. Er verstaut unsere Räder und sagt noch „Hinten 1.Kl, vorne 2. Kl.
Ich geh durch das Abteil, finde einen nicht reservierten Platz und freue mich königlich – es kann weiter Richtung Heimat gehen!  Inzwischen, auch etwas entspannter, realisiere ich, dass ich ja doch 1.Kl sitze. Ich schau zwar noch nach der Zweiten Klasse, aber der Komfort ist unvergleichlich besser, ich bleibe. Herr Bauer von den ÖBB  verrechnet mir 2.Kl bis zum Brenner für 57,80€ davon sind 10€ für das Rad!

Ich frage gar nicht mehr wg. der Nahverkehrskarte, aber am Brenner versuche ich es, Geld zurück zu bekommen bevor ich runter fahre.
Erster Halt ist Verona, der Zug hat etwas Verspätung.
Es ist schon wieder lange her, dass ich hier im Etschtal war und ich sehe Dinge, die ich entweder beim Radfahren übersehen habe, oder bereits vergessen habe.
So langsam komme ich auch mit den Münchnern gegenüber ins Gespräch. Sie sind etwas älter als ich. Er ist schwer krank, braucht einen Rollstuhl, schwitz wg seinem Übergewicht, schläft immer mal wieder ein und hat Entzündungen an den Beinen. Sie erzählt, dass sie früher als Rucksacktouristen viel unterwegs waren. Sie waren in Verona um das Reisen mit Rollstuhl zu testen, denn sie wollen unbedingt nach Kanada und USA. Flug mit Businessclass und Mietwagen.
Sie trägt Rucksack, damit sie die Hände für den Rollstuhl frei hat. Ich finde deren Reise „ungewöhnlicher“ als meine eigene Tour.
Auf das, was draußen zu sehen ist, achte ich kaum. Aber Sterzing und den Rosskopf verpasse ich nicht. Es ist mir wichtig, Christine und Norbert oben in Tschöfs in dem Moment einen Gruß zu schicken.
Am Brenner oben hat der Zug eine gute halbe Stunde Verspätung, auch wegen dem Einladen der vielen Fahrräder.
Herr Bauer gibt mir das Rad raus, das Hinterrad zuerst und ich bedanke mich nochmals sehr herzlich bei ihm. Leider ist kein Personal der Trenitalia am Bahnhof, nur die Helfer der ÖBB für diejenigen, die den Schienenersatzverkehr nach Insbruck brauchen.
Da ich nur Getränke dabei habe, gehe ich am Brenner erst einmal Kaminwurzen kaufen. Dann geht’s zum Kiosk. Die Meraner Bratwurst esse ich nur mit Senf, das Weckle nehme ich für MO als Ergänzung zu den Kaminwurzen.
Und dann noch ein paar Fotos – ab geht’s.

Zum Glück gibt’s ja das Navi, ich bin zuerst in Richtung blauer Himmel gefahren – und das wäre Italien gewesen. Also so schwer es fällt, ab in Richtung Wolken, nach Norden.

Ich habe es irgendwie eilig und trete in die Pedale, als wäre ich auf der Flucht. Bis Matrei hab ich 35 km/h Durchschnitt gefahren. Dann kommt der Abzweig Richtung Ellbögen und Patsch – wieder diese Berg und Tal Strecke, bloß in anderer Richtung. Die Straße wird gerade teil-renoviert: teilweise ist die Straße mal 200 m ganz abgefräst, dann mal nur die halbe Fahrbahn auf 30 m Länge. Zum Glück ist Sonntag und alle Ampeln außer Betrieb. Da passiert es mir auf einer teilweise abgefrästen Stelle, dass ich mit dem Vorderrad seitlich an den Fahrbrand stoße. Das bringt mich kurz aus dem Gleichgewicht, aber ich falle nicht – das hätte echt brenzlig werden können! Und auch noch mit den neuen Sandalen!
Dann zweigt der Rückweg „rechts ab“ führt nicht über Vill nach Innsbruck, sondern über Lans nach Aldrans Richtung Hall. Hinter Aldrans ist der „Pfarrtalsteig“ teil der Strecke.

Der Weg ist glitschig, weil es vorher geregnet haben muss. Ein paar hundert Meter schiebe ich das Rad, weil es mir zu gefährlich vor kommt: glitschig + steil. Als ich wieder in den Sattel steige, ist es zwar nicht mehr steil, aber ein Weg ist eigentlich auch nicht weiter zu sehen, eher eine Wiese, auf der ein Trampelpfad zu sehen ist. Aber danach kommt zwar bald wieder eine normale Straße,  aber diese Strecke einem Radfahrer mit schwerem Gepäck zuzumuten ist „unfreundlich“. Es ist eine große Erleichterung, dass das nur knapp 2 km waren bis es auf der Straße weiter geht. Man sieht, dass es am Nachmittag stärker geregnet haben muss.

An einer Brücke, die ich gleich erkenne, komme ich auf den Radfernweg entlang des Inn. Ein paar Kilometer kommen mir fremd vor, aber vielleicht liegt es ja auch am Wetter, denn inzwischen regnet es leicht. Ich entschied mich für die Weiterfahrt ohne auf Regenkleidung zu wechseln. Nur vor dem Pfarrtalsteig hab ich noch getrunken und eine Kaminwurzen verdrückt, sonst bin ich die 71 km in 2:40 Std durchgefahren. So schnell war ich noch nie!
Der Akku war quasi vor der Tür von „Hildes Pension “ leer.
Zuerst wollte mir Hilde keinen Hausschlüssel geben, aber damit Sie früher die Tür abschließen und vielleicht früher schlafen kann – Mitte 70 ist sie schon, braucht einen Rollator und trägt eine Perücke. Ihr Garten hinter dem Haus, der von einem Gärtner gepflegt sein muss, ist fast ein Park.
Sie empfiehlt mir im „VZ“ , Veranstaltungszentrum, zu essen. Aber da ist nur „tote Hose“ und der „Jenbacher Hof“ bewirtet nur Hausgäste. In einer Bier-Bar meinte einer, dass nur das Pizza – Ristorante offen hätte. Das sieht auch ordentlich aus, hat aber Ruhetag. Ich hab schon aufgeben wollen, als ich in der Kirchgasse ein offenes China-Restaurant entdecke. Das Buffet ‚all you can eat‘ rettet den Abend.
Zurück im Zimmer leg ich mich auf das Bett und schlafe ein, noch bevor ich das Licht aus gemacht habe. Aber 2 Stunden später wache ich auf, das Bier drückt! Das kannte ich die letzten 6 Wochen gar nicht. Ich komme kaum auf die Beine vor lauter Krämpfen in den Oberschenkel und im Fuß. Ich nehme noch eine Magnesiumtablette bevor ich weiterschlafe.

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